Dämmung im Neubau

Das sollten Sie beachten

Bild: Dämmung im Neubau

Eine gute Dämmung hält Wärme drinnen und Kälte draußen

Dämmungen sind in Neubauten gesetzlich vorgeschrieben. Es stellt sich also nicht die Frage ob man dämmt, sondern wie viel Dämmung mindestens nötig ist. Angesichts immer weiter steigender Energiekosten ist es aber auch sinnvoll, einen Neubau umfassend zu dämmen, denn dadurch spart man letztlich enorm an Heizkosten.

Welche Vorschriften zu beachten sind, welche Dämmungen es gibt, wie dick sie sein müssen und wie viel sie kosten, können Sie im folgenden Artikel erfahren. Außerdem gehen wir auf einige Mythen und Vorurteile über Dämmungen ein und hinterfragen ihren Wahrheitsgehalt.

Über Neubauten und Dämmungen

Dämmungen spielen in Neubauten wegen der strengen Vorschriften des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hinsichtlich der Wärmeverluste einerseits und des davon abhängigen maximal zulässigen Wärmebedarfs für Heizungen andererseits eine wichtige Rolle. Noch etwas strenger sind die Vorgaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nach der Einführung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Will man für seine Dämmung im Neubau eine Förderung im Rahmen der Programme KfW 261 oder 461 erhalten, muss man mindestens den KfW-Effizienzhausstandard 55 erreichen. Das bedeutet, dass der Primärenergiebedarf des Gebäudes höchstens 55 Prozent der laut GEG zulässigen Obergrenze betragen darf. Allerdings kommt man bei der Dämmung irgendwann an den Punkt, an dem mehr Dämmung vor allem mehr Geld kostet, aber im Verhältnis dazu kaum mehr Heizkosten einspart.

Zu beachten ist jedoch, dass die Förderung einiger Heizungen von der Dämmung abhängig ist: Wärmepumpen müssen z. B. eine bestimmte Effizienz (Jahresarbeitszahl) erreichen, was mit einer ausreichenden Dämmung einfacher ist als ohne. Denn die Dämmwirkung reduziert die nötige Heizleistung und wird so indirekt in die Berechnung der Jahresarbeitszahl (JAZ) mit einbezogen. Es gilt also, für jedes Haus einen passenden Mix zu finden, mit dem sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch Klimafreundlichkeit berücksichtigt werden. Im Idealfall (bei Erreichen des Effizienzhaus-Standards 55) werden dann sowohl die Dämmmaßnahmen als auch die Wärmepumpe gefördert, ohne dass man unverhältnismäßig viel Geld in die Dämmung investiert. 

Im Neubau ist eine Dämmung vorgeschrieben

Im Neubau ist eine gute Dämmung obligatorisch

Arten und Kosten im Vergleich

Bei der Dämmung für einen Neubau muss zwischen den verschiedenen Bauteilen eines Gebäudes unterschieden werden. Wichtig sind primär das Dach, die Fassade und der Keller oder einfach nur die Bodenplatte. In der Regel müssen bei einem Neubau all diese Bauteile gedämmt werden, aber die Stärke der jeweiligen Dämmung ist variabel. Es gilt lediglich, dass der Gesamtwärmeverlust des GEG-Referenzgebäudes nicht überschritten werden darf. Um diese Vorschrift zu erfüllen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. 

Dämmungen am Dach

Bei einem Neubau wird das Dach in der Regel mit einer Aufsparrendämmung versehen (die beste aller Dachdämmungen) und ggf. durch eine Zwischensparrendämmung unterstützt. Im Vergleich zu einer Sanierung sind diese Maßnahmen vergleichsweise günstig, weil keine alten Bauteile wie die Dacheindeckung entfernt werden müssen. Außerdem stellt das Dach auf die Gesamtgebäudefläche betrachtet eines der größten Bauteile dar.

Eine gute Dämmung des Daches bietet also ein enormes Einsparpotenzial bei den späteren Heizkosten. Hinsichtlich der Anschaffungs-Kosten sollten Sie für die Dachdämmung eines Neubaus etwa 40 bis 120 Euro pro Quadratmeter einplanen. Plant man sowohl eine Zwischensparrendämmung als auch eine Aufsparrendämmung, werden dementsprechend mindestens 160 Euro pro Quadratmeter fällig.

Fassadendämmungen

Die Dämmung der Fassade bietet ebenfalls ein hohes Einsparpotenzial bei den Wärmeverlusten. Hier stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet die Kerndämmung. Sie wird im Zwischenraum eines zweischaligen Mauerwerks eingebracht. In Form einer Einblasdämmung lohnt sie sich insbesondere im Altbau. Im Neubau hingegen rentiert es sich eher nicht, extra wegen der Kerndämmung zweischalig zu mauern. Alternativ lässt sich ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) verbauen oder eine besonders starke Wanddicke vorsehen. Ein Wärmedämmverbundsystem kommt in der Sanierung meist zum Einsatz, wenn eine Kerndämmung eines älteren Mauerwerkes nicht möglich ist.

Das WDVS wird auf die Außenwand aufgebracht und anschließend verputzt. Eine besondere Variante des WDVS ist der Isolierklinker. Wer dagegen besonderen Wert auf eine individuelle Gestaltung der Fassade legt, kann auf eine hinterlüftete Vorhangfassade zurückgreifen. Sie bietet nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten, ist aber auch besonders teuer. Für eine Fassadendämmung muss man zwischen 15 und 300 Euro pro Quadratmeter einplanen.

Dämmung für Keller und Bodenplatte

Ob und wie man seinen Keller dämmt hängt davon ab, wie man ihn nutzt. Wird er häufig und ähnlich wie Wohnräume genutzt, sollte man ihn dicker und rundum von außen, insbesondere auch von unten, dämmen. Nutzt man ihn nur als Abstellraum, reicht die Dämmung der Kellerdecke von oben oder unten völlig aus. Hier können Dämmplatten oder eine preiswerte Kerndämmung zum Einsatz kommen. Letztere benötigt allerdings einen Hohlraum in der Kellerdecke. Für Dämmplatten ist eine entsprechende Kellerhöhe notwendig. Eine Dämmung der Kellerdecke von oben ist dagegen aufwendig und unverhältnismäßig teuer.

Ein großer Vorteil des Neubaus ist, dass die Aushubarbeiten ohnehin stattfinden. So lassen sich ohne großen zusätzlichen Aufwand Bodenplatte und Außenwände mit einer Perimeterdämmung versehen. Sie ist die wirksamste Kellerdämmung. Innendämmungen der Wände sind ebenfalls möglich, sind aber nicht so wirksam und bergen zudem das Risiko der Entstehung von Wärmebrücken und damit von Schimmel. Je nachdem, für welche Kellerdämmung Sie sich entscheiden, müssen Sie mit Kosten von 15 bis 160 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Vorschriften: Wie dick dämmen im Neubau?

Die Frage nach der Dicke der Dämmung im Neubau lässt sich nicht pauschal beantworten, da es zahlreiche Dämmstoffe mit unterschiedlichen Dämmeigenschaften gibt. Außerdem kommt es natürlich auch auf die Bauweise der zu dämmenden Bauteile an. Diese dämmen ihrerseits auch, jedoch nicht so gut wie eine vollwertige Dämmung.

Um mindestens die Vorschriften des GEG zu erfüllen, sind je nach Dämmstoff und Bauteil unterschiedliche Dämmdicken notwendig. Hier kann ein Energieberater weiterhelfen. Dieser ist ohnehin zwingend in die Planung einzubinden, falls man eine Förderung für eine Maßnahme an der Gebäudehülle beantragen will. Im Jahr 2021 hat sich die Förderlandschaft grundlegend geändert. Wir haben alle wichtigen Infos zur Förderung 2021 für Sie zusammengefasst.

Rechtliche Vorgabe: GEG (EHEMALS EnEV 2014)

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das unter anderem aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) hervorgegangen ist, macht keine konkreten Vorschriften zur Dicke einer Dämmung bzw. welche Bauteile des Hauses wie dick gedämmt werden müssen. Es legt lediglich einen durchschnittlichen maximalen Transmissionswärmeverlust, auch U-Wert (in w/m²K) genannt, fest, der eingehalten werden muss bzw. nicht überschritten werden darf. Zuwiderhandlungen können mit bis zu 50.000 Euro Strafe belegt werden. Hält man den durchschnittlichen U-Wert ein, hat man bei der Auswahl der Dämmung bzw. der Dämmstoffe und deren Dicke aber im Rahmen dieser Vorschrift freie Wahl.

Noch strenger: Richtlinien der KfW-Bank

Um eine Förderung der KfW zu bekommen, muss selbst der strenge U-Wert des GEG noch deutlich unterschritten werden. Das gilt auch für die Regelung der BEG-Förderung. Dabei wird für jedes Bauteil ein konkreter Höchstwert beschrieben. Genaueres kann Ihnen der Energieberater sagen, der für die Beantragung einer Förderung schon vor Baubeginn in die Planung mit eingebunden werden muss. Zu seinen Aufgaben gehört es, die passenden Dämmstoffe auszuwählen und deren korrekte Dicke zu berechnen. Außerdem überwacht er die Ausführung der Arbeiten und führt abschließend eine Qualitätskontrolle durch.


Welche Arten von Dämmstoffen gibt es?

Es gibt gute, nachhaltige Dämmstoffe aus Naturfasern

Welche Dämmstoffe im Neubau nutzen?

Am Markt für Dämmstoffe werden nachhaltige Lösungen auch im Neubau immer gefragter. Grundsätzlich ist das eine gute Entwicklung, aber man sollte nicht der Illusion unterliegen, dass nachhaltige Dämmungen eine intrinsische Gutartigkeit besitzen oder vollkommen naturbelassen sind - für moderne Brandschutzvorgaben werden nämlich häufig synthetische Zusätze genutzt.

All das ist wichtig zu wissen, um den passenden Dämmstoff für das Eigenheim auszuwählen, da unterm Strich auch mineralische oder synthetische Dämmstoffe ein sinnvolles Einsatzgebiet haben. Wer allerdings nur auf den Preis schaut, wird vermutlich überall auf synthetische Dämmungen setzen.

Dämmstoffe im Vergleich

Bauteil

Dämmstoff-Art

Empfehlung

Vorteile

Nachteile

Dach

Organisch

Holzfaser

Normale Dämmeigenschaften

Teuer




Guter Schallschutz

Normal entflammbar




Diffusionsoffen





Ökologisch



Mineralisch

Mineralwolle / Steinwolle

Gute Dämmeigenschaften

Verliert bei Nässe Dämmeigenschaften




Nicht brennbar

Hoher Energieverbrauch bei Produktion




Resistent gegen Ungeziefer und Schimmel



Synthetisch

PUR

Sehr gute Dämmeigenschaften

Normal entflammbar




Wasserabweisend / Resistent gegen Feuchtigkeit

Hoher Energieaufwand bei der Produktion




Geringe Dämmdicke nötig

Erdölprodukt

Dachboden / Geschoss-decke

Organisch

Zellulose-Granulat

Preiswert

Kann bei Sanierungsarbeiten herausrieseln




Normale Dämmeigenschaften

Normal entflammbar




Guter Hitzeschutz / Schallschutz

Hohlraum notwendig




Resistent gegen Ungeziefer und Schimmel



Mineralisch

Mineralwolle / Steinwolle

Gute Dämmeigenschaften

Verliert bei Nässe Dämmeigenschaften




Nicht brennbar

Hoher Energieverbrauch bei Produktion




Resistent gegen Ungeziefer und Schimmel



Synthetisch

XPS

Gute Dämmeigenschaften

Normal entflammbar




Resistent gegen Feuchtigkeit

Teurer als andere synthetische Dämmstoffe




Geringe Dämmdicke nötig

Erdölprodukt




Kaum Eigengewicht


Fassade

Organisch

Holzfaser

Normale Dämmeigenschaften

Teuer




Guter Schallschutz

Normal entflammbar




Diffusionsoffen





Ökologisch



Mineralisch

Mineralwolle (Glaswolle / Steinwolle)

Gute Dämmeigenschaften

Verliert bei Nässe Dämmeigenschaften




Preiswert

Hoher Energieverbrauch bei Produktion




Nicht brennbar





Resistent gegen Ungeziefer und Schimmel



Synthetisch

EPS / Styropor

Sehr gute Dämmeigenschaften

Normal entflammbar




Resistent gegen Feuchtigkeit

Erdölprodukt




Kaum Eigengewicht


Keller

Mineralisch

Schaumglas / Foamglas

Gute Dämmeigenschaften

Energieintensive Herstellung




Langlebig

Schlechte Schalldämmung




Maßbeständig



Synthetisch

XPS

Gute Dämmeigenschaften

Normal entflammbar




Resistent gegen Feuchtigkeit

Teurer als andere synthetische Dämmstoffe




Geringe Dämmdicke nötig

Erdölprodukt

Was muss ich zur Dämmung wissen?

Es kursieren viele Vorurteile und Halbwahrheiten über Dämmungen

Fragen, Vorurteile und Mythen

Wenn man sich in den Medien über Dämmung informieren will, stößt man relativ schnell auf zahlreiche negative Beiträge. So würden Dämmungen z. B. das „Atmen” der Wände verhindern und so Schimmel verursachen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Beiträge allerdings als Ansammlung von Gerüchten und Mythen, die einer genaueren Überprüfung nicht standhalten. Im Folgenden wollen wir auf einige dieser Mythen eingehen.

Versiegelt eine Dämmung das Haus luftdicht?

Dass eine Dämmung eine Immobilie luftdicht abschließt und so das „Atmen” von Wänden verhindert und zu Schimmel führt, ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält. Das ist jedoch fachlich falsch. Wände „atmen” grundsätzlich nicht und für das luftdichte Abschließen des Gebäudes sind moderne Fenster und Türen verantwortlich. Das ist auch dringend nötig, damit die Dämmung ihre Wirkung entfalten kann. Eine gewisse Diffusion von innen nach außen kann dabei, je nach Dämmung, in einigen Fällen trotzdem stattfinden. Darüber hinaus muss jeder weitere Luftaustausch über regelmäßiges Lüften oder eine Lüftungsanlage stattfinden.

Erzeugt eine Dämmung Schimmel?

Bei korrekter Montage der Dämmung (durch einen Fachbetrieb) sollte es nicht zur Schimmelbildung kommen. Tatsächlich gibt es aber Fälle, in denen auch im Neubau Schimmel entsteht. Das passiert z. B. wenn die Dämmung nicht korrekt montiert wurde und es zur Bildung von Wärmebrücken kommt. Wenn die Fenster besser isolieren als die Wände, kann dies ebenfalls eine Ursache sein.

So kann sich Kondenswasser an den Wänden bilden, das dann wiederum zur Schimmelbildung führt. Solche Szenarien können Sie vermeiden, wenn Sie einen Energieberater mit der Planung beauftragen. Er überwacht auch die Durchführung der Maßnahmen und kontrolliert abschließend die Qualität der Arbeiten. Eine weitere Ursache ist mangelhaftes Lüftungsverhalten. So kann Luftfeuchtigkeit nicht entweichen. Hier hilft regelmäßiges Lüften.

Wird unbedingt eine Lüftungsanlage benötigt?

Darüber, ob man im Neubau eine Lüftungsanlage (mit Wärmerückgewinnung) braucht, streiten sich die Experten. Letztlich kommt es darauf an, ob man die GEG-Vorgaben für den maximal zulässigen Wärmebedarf pro Jahr und Quadratmeter ohne Lüftung mit Wärmerückgewinnung einhalten kann. Bei Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen, sollte dies kein Problem darstellen.

Wer dagegen die Montage einer Gasheizung oder einer Ölheizung plant, wird ziemlich sicher selbst dann nicht ohne Lüftung auskommen, wenn er zusätzlich eine Solarthermie-Anlage installieren lässt. Allerdings ist die Anschaffung einer Lüftungsanlage im Neubau ohnehin empfehlenswert, da sie sich problemlos in das Gebäudekonzept integrieren lässt und so das Risiko der Schimmelbildung auf ein Minimum reduziert und einen hohen Wohnkomfort liefert.

Welche Auswirkung hat das GEG auf meinen Neubau?

Das Gebäudeenergiegesetz ist im Grunde eine Zusammenfassung einiger bisheriger Gesetzestexte, unter anderem der Energieeinsparverordnung (EnEV) und des „Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes” (EEWärmeG). Inhaltlich hat sich bis dato nichts zum Nachteil von Hausbesitzern geändert.

Allerdings soll das GEG 2023 überprüft und ggf. überarbeitet werden. Das heißt, dass man zumindest bis 2023 Planungssicherheit hat und nach bisherigem Standard bauen kann. Häuser die heute bereits gut gedämmt sind und mit Wärmepumpen betrieben werden erfüllen auch die strengeren Vorgaben des Baurechtes von morgen.

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